Nach „Wittenberger Tafeley“: Wie geht’s für die historischen Vereine weiter?

Die historischen Vereine zu Wittenberg haben eine lange Durststrecke hinter sich: die Coronapandemie hat für den Ausfall von gleich zwei Jahrgängen „Luthers Hochzeit“ gesorgt. An den entsprechenden Tagen gab es nur kleine und teils inoffizielle Ersatzveranstaltungen. Keine Spur zu sehen vom sonst üblichen Lagerleben, den Festumzügen und dem ausgelassenen Straßenleben in der Innenstadt.

„Wittenberger Tafeley“ ein erster Hoffnungsschimmer

Gewissermaßen als Ersatzveranstaltung für Luthers Hochzeit wurde die Wittenberger Tafeley von der Lutherstadt Wittenberg Marketing GmbH ins Leben gerufen. Am Samstag den 14.08. versammelten sich daher von 11-18 Uhr gut ein dutzend verschiedener historischer Vereine auf der Schlosswiese und ließen einen Hauch von Normalität aufleben. Zu späterer Stunde konnte man ab 20 Uhr im Schlosshof auch einem Konzert von „Tanzwut“ beiwohnen.

Die Veranstaltung weckt Hoffnungen. Noch ist das Reformationsfest nicht abgesagt und auch ein einigermaßen unbeschränkter Weihnachtsmarkt steht noch zur Diskussion. Es sind die klassischen Feste, an denen die Kulturvereine teilnehmen – und über die sie sich finanzieren. All das ist aber in letzter Zeit nahezu komplett ausgefallen. Dieser Samstag ist nun ein erster Auftakt, der Zuversicht für das Kommende streut.

Alles etwas anders für die historischen Vereine

Die offizielle Eröffnung fand erst 14 Uhr statt. Jürgen Donde, Hauptmann der Stadtwache, und Reimeklopfer Theo Theodor begrüßten alle Gäste und die anwesenden Vereine. Doch das lief etwas anders ab. Sonst, so führte Donde aus, fasse man immer alle historischen Vereine zusammen. Das wollte man jetzt ändern und damit auch etwas Wertschätzung für alle Kulturschaffenden zum Ausdruck bringen, die unsere mittelalterlichen Feste immer so schön zum Leben erwecken.

Also wurden nun von Fanfarenzug, Landsknechte und Ritter Schwarzer Drachen, Leucoreadorf, Luthers Freunde bis hin zur Stadtwache alle Vereine namentlich mit Gründungsjahr genannt. Musikalisch vom Fanfarenzug begleitet und den Jubelrufen erhielten so alle etwas Anerkennung. Nur die Räuber hatte man vergessen. Offenbar handelte es sich um ein Versehen, wenige Minuten später entschuldigte man sich und erwähnte auch sie.

Überraschend kam eine Auszeichnung für den Hauptmann der Stadtwache. Donde wurde für seine außerordentlichen Verdienste rund um Luthers Hochzeit mit der bronzenen Lutherrose ausgezeichnet. Die Überraschung glückte und sorgte für einen kräftigen Jubel!

Die Zukunft der historischen Vereine

Wie es jetzt weitergeht, ist erstmal unklar. Noch ist die Pandemie nicht vorüber, weitere Veranstaltungen stehen stets unter Vorbehalt. Auch mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen und der stagnierenden Impfquote. Dabei hat Corona einen Umstand befeuert, der sich bereits seit längerer Zeit abzeichnet: Mitgliederschwund.

Frisches Blut fehlt in vielen Vereinen. Die Jungen müssen das alles mal übernehmen, hört man beispielsweise von Luthers Freunden. Auch dort gibt es Nachwuchs, aber ob der momentane Zulauf ausreicht, ist ungewiss. „Wir können das ja schließlich nicht ewig machen“ heißt es von vielen. Man müsste mehr Menschen für das Engagement in den Vereinen begeistern.

Dafür können aber auch die Vereine selbst etwas tun. Viel zu wenig Internetpräsenz – klar, das dürfte bei historischen Vereinen nicht wenig begeistern. Aber trotzdem: wer an die junge Generation ran will, braucht zumindest eine gepflegte Website. Im Optimalfall bietet man auch Aktivität auf Social-Media Kanälen. Doch auch die Stadt könnte die Vereine bei mehr Festen wie diesen einbinden, offenbar lohnt es sich.

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