Bauernkrieg 1524-1526

Im Bauernkrieg 1524-1526 zogen Bauern, Bürger und Handwerker in den Kampf gegen Adel und Klerus. Unterstützung erhielten sie dabei – mehr oder minder freiwillig – von manchen Adligen und Rittern. Sie kämpften für die Befreiung aus der Leibeigenschaft, die Reduktion von Abgaben und Frondiensten sowie mehr Mitbestimmung. Nach kurzfristigen Erfolgen scheiterten sie jedoch, wobei viele ihr Leben verloren.

Ursachen für den Bauernkrieg 1524-1526

Bei den Ursachen für den Bauernkrieg von 1524-1526 sind an allererster Stelle alle Folgen der Reformation zu nennen. Hinzu kamen die schlechten Lebensumstände der Bauern um 1500. Durch weit verbreitete Armut und Hunger, welcher durch anhaltende Missernten verschärft wurde, kommt es zu Spannungen.

Lebenssituation der Bauern um 1500

Als unterste Schicht der Ständegesellschaft litten die Bauern unter Feudallasten: Sie waren beispielsweise verpflichtet, den sogenannten „Zehnt“ an die Grundherren (z.B. Fürsten oder Klöster) abzuführen. Dabei handelt es sich um eine Abgabe, die 10% der Erträge eines Bauern ausmacht. Hinzu kamen andere Steuern wie der Grundzins und das Leisten von Frondiensten. Frondienste sind Aufgaben, zu denen die Bauern verpflichtet waren, beispielsweise die Unterstützung bei Bauarbeiten des Grundherren. Außerdem bestimmte das Christentum nahezu alle Aspekte des Lebens.

Kennzeichnend war zudem die Leibeigenschaft. Bauern waren nicht frei, sondern gehörten ihren Grundherren. Hochzeit oder Umzug waren nur mit der Erlaubnis des Grundherren möglich. Dies betraf auch die Kinder der Bauern und wiederum später deren Kinder. Besonders erdrückend war die verbreitete Armut um 1500. Mehrere Missernten minderten die Einkünfte der Bauern, hohe Steuern belasteten sie zusätzlich. Dies hatte Hunger zur Folge. Sie waren zudem der Willkür der Obrigkeit ausgeliefert: Gerichte und Strafen wurden von den Grundherren durchgesetzt – ohne Möglichkeit auf Widerspruch.

Die Reformation bringt den Stein ins Rollen

1517 sorgte Martin Luther mit seinen 95 Thesen für Aufsehen. Anlässlich des Ablasshandels wollte er die Kirche reformieren, sorgte aber unbeabsichtigt für eine Spaltung in Altgläubige und reformatorisch Gesinnte. Die Bauern erfuhren von den Ideen der Reformation vor allem durch lokale reformatorische Prediger. Sie beriefen sich auf die These, dass alle christlichen Menschen frei seien. Vor allem Ulrich Zwingli und Thomas Müntzer betonten, dass jeder Mensch auch ohne Kirche zum eigenen Seelenheil finden könne. Warum sollte der Klerus im Wohlstand leben, während sie selbst hungern mussten? Dies vergrößerte die bereits bestehende Kluft zwischen Klerus und Bauernschaft, Proteste gegen Geistliche häuften sich in Stadt und Land.

Luther selbst distanzierte sich von den Aufständen, lehnte jegliche Gewalt gegen die bestehende Ordnung ab. Hierfür war es jedoch zu spät. Lokal begann die Formierung von verschiedenen „Bauernhaufen“, die sich durch Zusammenschluss zu teils sehr schlagkräftigen Truppen entwickelten. Vereinzelt kam es bereits 1524 zur Erstürmung von Klöstern und Schlössern.

Ursachen Bauernkrieg 1524-1526

Forderungen der Bauern

Die Bauern hatten unterschiedliche Anliegen: dazu gehörten soziale, religiöse und wirtschaftliche Forderungen. Diese passte man gegebenenfalls auch regional an, je nachdem, wie die Lebenssituation vor Ort aussah. Ab dem März 1525 orientierten sich jedoch fast alle Forderungen und Verhandlungen an den sogenannten „Zwölf Artikeln“.
  1. Jede Gemeinde soll das Recht haben, ihren Pfarrer zu wählen und abzusetzen. Dieser soll das Evangelium klar und lauter predigen.
  2. Vom Großen Zehnten soll der Pfarrer besoldet, von einem etwaigen Überschuss die Armen versorgt werden. Der Kleine Zehnt soll abgeschafft werden.
  3. Die Leibeigenschaft ist unchristlich, die Bauern wollen frei sein.
  4. Der arme Mann soll Gewalt haben, Wildbret, Geflügel und Fische zu fangen.
  5. Alle Wälder sollen der Gemeinde anheimfallen, jeder soll Holz nach seiner Notdurft nutzen können.
  6. Die von Tag zu Tag vermehrten Frondienste sollen auf das früher übliche Maß reduziert werden.
  7. Die Frondienste sollen von den Herren nicht willkürlich erhöht werden dürfen.
  8. Die bedrückenden Abgaben („Gülten“) sollten nicht von ehrbaren Leuten nach Billigkeit neu festgesetzt werden.
  9. Die großen Frevel (Vergehen) sollen nicht willkürlich, sondern strikt nach alter geschriebener Satzung gestraft werden.
  10. Wiesen und Äcker, die der Gemeinde zugehören, sollen dieser zurückgegeben werden.
  11. Der Todfall, der Witwen und Waisen bedrückt, soll abgetan werden.
  12. Erweist sich einer der Artikel als dem Wort Gottes nicht gemäß, soll er ungültig sein.

Schwerhoff, Gerd: Der Bauernkrieg. Einer wilde Handlung, München 2024, S. 146f.

Bauernkrieg 1524-1526: Die Zwölf Artikel bestehend aus religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Forderungen.

Für die Zeitgenossen waren diese Forderungen absolut faszinierend, spiegelten sie doch eine Balance zwischen Selbstbewusstsein und christlicher Demut. Die Forderungen konzentrierten sich auf die Einschränkung der Willkür aller Herrschenden und sollten Gemeingüter wieder der Gemeinschaft zugänglich machen. Religiöse Aspekte rahmten und unterstrichen das Anliegen der Bauern.

Bauernkrieg 1524-1526: Verlauf und Ende

Die Aufstände der Bauern unterschätzten lokale Fürsten zu Beginn, aber nach ersten Erfolgen schlug man mit großer Härte zurück. Die Aufstände wurden insbesondere 1525 in blutigen Schlachten niedergeschlagen. Dabei kamen zehntausende Bauern ums Leben, die meisten Anführer richtete man hin. Der Bauernkrieg endet mit einer eindeutigen Niederlage der Bauern, auch kurzfristige Erfolge revidierten die Adligen recht schnell. Mancherorts verschärfte sich sogar die Unterdrückung in Folge der Aufstände.

Regionale Erhebungen und erste Erfolge im Bauernkrieg

Der Aufstand begann im Sommer 1524 in Südwestdeutschland. Die Bewegung griff schnell auf benachbarte Regionen wie das Elsass, Franken, Thüringen und Schwaben über. Bauern zogen durch die Dörfer und suchten nach Anhängern, drohten teilweise auch, sollte man sich dem Anschluss verweigern. Sie organisierten sich in sogenannten „Haufen“, die mehrere tausende Personen umfassen konnten. Der Verlauf des Bauernkriegs war daher sehr regional geprägt. Zwar übernahmen viele Bauern die Inhalte der Zwölf Artikel, jedoch passte man sie stets regionalen Gegebenheiten an. Dementsprechend fehlen manche Artikel in den Forderungskatalogen, andere Anliegen ergänzte man.

Bauernkrieg 1524-1526 Götz von Berlichingen
Götz von Berlichingen wurde vom Neckartal-Odenwälder Haufen dazu gezwungen, sich als Hauptmann wählen zu lassen, nachdem die Bauern sich seiner Burg näherten, da er der Einzige mit militärischer Führungserfahrung war.
Wilhelm Camphausen – Illustrierte Weltgeschichte für das Volk. Geschichte des Neueren Zeit, von Otto von Corvin. Volume I, 1882. Onlineː https://archive.org/details/bub_gb_HTkQAAAAYAAJ/page/n3/mode/2up?view=theater

Einer der wichtigsten Akteure war Thomas Müntzer, der vor allem im Raum Thüringen radikale Kräfte sammelte. In manchen Regionen schlossen sich sogar Handwerker und Stadtbürger den Bauern an. Rasch besetzten große Bauernhaufen nahegelegene Burgen und Städte, so etwas Weinsberg im April 1525. Dort tötete man den Graf von Helfenstein und andere Adlige – das Ereignis ist als „Weinsberger Bluttat“ bekannt. Auch in Memmingen konnten Bauern ihre Forderungen zeitweise sehr erfolgreich durchsetzen.

Militärischer Widerstand formiert sich

Die Fürsten und der Schwäbische Bund warteten nicht lange, um einen größeren militärischen Widerstand zu organisieren. Auch hierbei musste man vorsichtig vorgehen, schlossen sich doch bereits in der Vergangenheit einige Landsknechte (bezahlte Söldner) den Bauern an. Das Kommando übernahm Georg Truchsess von Waldburg-Zeil, der die Bauernhaufen in mehreren Schlachten besiegte. Am 15. Mai 1525 erlitten die Bauern eine entscheidende Niederlage bei Frankenhauen: Thomas Müntzer wurde gefangengenommen und später hingerichtet. Letztlich ließen schätzungsweise 70.000 bis 100.000 Bauern ihr Leben, ihre Forderungen blieben unerfüllt.

Literaturverzeichnis

Blickle, Peter: Der Bauernkrieg: Die Revolution des Gemeinen Mannes, München 2024.

Schwerhoff, Gerd: Der Bauernkrieg: Geschichte eine wilden Handlung, München 2025.

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